Abenteuer Südafrika

Ankommen in Underberg

Sawubona! – Hallo und Herzlich Willkommen – auf Zulu, eine der Amtssprachen Südafrikas. Nun ist es schon fast 1,5 Jahre her, als der Flieger aus Frankfurt a.M. Richtung Johannesburg, Südafrika startete. Anfang Januar 2020 begann das Abenteuer – Endlich ging es für uns vier, Mitja, Johannes, Lisa und Paula (mich) nach Südafrika, genauer gesagt nach Underberg, einer kleinen Stadt am Rande der Drakensberge.

Der Flug, inklusive Umstieg in Johannesburg verlief ohne Probleme, so dass wir einen Tag später übermüdet, aber sehr gespannt in Underberg bei Clouds of Hope ankamen. Am Abend lernten wir direkt unsere House Mum Thobile, die Managerin Zesizwe und die anderen Bewohner des Halfway Houses bei einem gemeinsamen Abendbrot kennen.

Ohne Zweifel waren die ersten Stunden, trotz herzlicher Begrüßung, nicht einfach, denn das Kennenlernen einer fremden Kultur – welche wir noch lieben lernten – war anfangs nicht leicht. Unterschiede in Sprache und Kommunikationsstilen führten mitunter zu Missverständnissen. Trotzdem haben wir es jedes Mal irgendwie geschafft unsere Anliegen und Probleme zu besprechen, denn sowohl Zesizwe als auch Thobile hatten immer ein offenes Ohr für uns.

Die ersten Tage vor Ort

Underberg zeigte sich an unserem ersten Abend nicht von seiner besten Seite, denn Regen, kalte Temperaturen und ein Stromausfall erwarteten uns. In diesem Moment war es unvorstellbar, dass die Stromausfälle für uns sogar zu gemütlichen Abenden mit Kerzenschein wurden. Auch mit regelmäßiger Wasserknappheit hatten wir während unseres Aufenthaltes zu kämpfen, weshalb wir uns vorsorglich Wasservorräte anlegten. Trotzdem muss man sich an die speziellen Bedingungen gewöhnen, was uns aber relativ gut gelang. So wird eine Dusche mit genug warmen Wasser schnell zum Highlight eines Tages!

Alltag mit den Kindern

Am nächsten Tag sah die Welt aber schon ganz anders aus, da wir ausgeschlafen in den Tag starteten und zum ersten Mal die Drakensberge im Sonnenschein hinter dem Camp erblickten. Dieser Ausblick lohnt sich definitiv! Von da an wurde jeder Tag nur schöner, denn wir lernten die Kinder des Kinderdorfes bei Clouds of Hope kennen und wurden direkt mit offenen Armen empfangen.

Jeder Tag gestaltete sich sehr vielfältig, war aber immer davon geprägt viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Volleyball und Fußball spielen, Seil springen, verstecken und fangen spielen aber auch mal nur zusammensitzen, quatschen und Musik hören, gehörten fest zu unserem Alltag dazu.

Bis die Schule wieder anfing, hatten wir zahlreiche Aufgaben, wie zum Beispiel einige Sachen auszumisten und auszusortieren oder bei Gartenarbeiten zu helfen. Ein dauerhaftes Projekt war die Umgestaltung des „Arts Room“, der zum Lesen, Spielen und Musik machen genutzt werden sollte. Dabei durften wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und strichen die Wände mit bunten Farben und Formen. Um unser Projekt zu verewigen, ließen wir alle Bewohner von Clouds of Hope, inklusive uns vieren, einen Handabdruck in bunten Farben auf die Wände machen.

Arbeit in der Schule

Sobald die Schule wieder losging, fuhren wir zweimal pro Woche mit den Kindern in die Goxhill Primary Schule und durften dort beim Unterrichten helfen. Da in der Schule Lehrermängel herrscht, unterrichten wir zu viert meistens zwei Klassen und waren in unserer Gestaltung der Unterrichtsstunden sehr frei.

In Englisch begannen wir wöchentliche Lesestunden mit den Kindern einzuführen, um ihr Englisch zu stärken und in Kunst planten wir einige schöne Projekte, die den Kindern sehr viel Spaß machten. Ein Projekt war „aus Alt mach Neu“, dort sollten die Kinder Müll sammeln, um im Unterricht daraus dann Gegenstände, Tiere oder andere Sachen zu basteln. Am Ende entstanden richtige Kunstwerke und da zufälligerweise auch noch Valentinstag war, wurden sowohl wir, als auch Lehrer und Familien mit den gebastelten Dingen beschenkt. Natürlich durfte Fußball spielen oder Seilspringen auch in der Pause nicht fehlen!

Kultur und Essen

In unserer Zeit in Südafrika lernten wir die südafrikanische Kultur kennen und lieben. Von der Gelassenheit, der Leidenschaft und der Gastfreundschaft der Menschen dort, nahmen wir uns ein Beispiel und brachten vieles mit nach Deutschland.

Auch die Küche der Südafrikaner durften wir intensiv kennenlernen, denn unsere House Mum Thobile kochte typische Gerichte für uns und achtete dabei immer darauf, dass zwei Vegetarier unter uns waren. Im Gegenzug haben wir oft Kuchen gebacken, meist einen Zitronen Kuchen, den unsere House Mum und Zesizwe geliebt haben. Wenn Zeit war, haben wir uns zusammengesetzt, um Tee zu trinken und Kuchen zu essen und zu quatschen.

In der Schule gab es jeden Tag warmes Mittagessen für die Schüler und Schülerinnen, von dem wir, sobald etwas übrig war, auch probieren durften. Dabei entdeckten wir eines unserer liebsten südafrikanischen Gerichte: Kohl mit gekochten Bohnen und Mais, oder auch „Cabbage with Samp and Beans“. Keine Sorge, es ist viel leckerer als es sich jetzt anhört!

Freizeit und Ausflüge

In unserer Freizeit durften wir viel unternehmen und bis auf ein paar Regeln, war unserer Freiheit keine Grenzen gesetzt. Wir spazierten oft zu Fuß nach Underberg, um dort im Restaurant „Lemon Tree“ essen zu gehen oder um beim lokalen Lebensmittelgeschäft Spar einkaufen zu gehen. Wir machten Ausflüge mit den „Locals“ aus Underberg, die sich auch bei Clouds of Hope ehrenamtlich engagierten.

Da Underberg am Fuße der Drakensberge liegt, haben wir eine gebuchte, sehr abenteuerliche, Fahrt mit einem Guide den Sani Pass nach Lesotho (das Nachbarland Südafrikas) hochgemacht. Am Gipfel befindet sich der „Highest Pub in Africa“, wo wir dann das gute Wetter mit einem regionalen Bier genossen.

Highlight: Hluhluwe Nationalpark

Als wir erfuhren, dass uns auch einige freie Tage zur Verfügung stehen, zögerten wir nicht lange und buchten einen Kurztrip in den Hluhluwe Nationalpark, der circa sechs Autostunden entfernt liegt. Das war definitiv eines unserer Highlights, denn wir hatten das Glück und konnten vier der berühmten Big Five sehen und sogar eine Bootstour machen, wo wir Krokodile und Hippos zu Gesicht bekamen.

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als wir gerade mit dem Auto in den Nationalpark reingebogen sind und auf einmal, nicht weit entfernt von uns, ein Elefant aus dem Gebüsch kam und über die Straße lief. Bei diesem atemberaubenden Anblick sind ein paar Freudentränen, Gänsehaut und ein kleiner Aufschrei nicht auszuschließen. (Vor allem, wenn es das erste Mal ist, dass man einen Elefanten in freier Wildbahn sieht – wie bei mir!)

Rückblick

Die Zeit in Südafrika war unvergesslich und lässt uns immer wieder in Erinnerungen schwelgen. Die anfänglichen Schwierigkeiten lösten sich mit der Zeit auf und so wurde ein fremder Ort am Ende der Welt ein Zuhause für uns. Wir schlossen die Menschen und vor allem die Kinder so fest in unser Herz, dass wir sie kaum wieder loslassen wollten.

In diesen knapp drei Monaten lernten wir wahrscheinlich so viel dazu, wie nie zuvor. Wir lernten eine fremde Kultur mit ihren Eigenarten und Gewohnheiten kennen, um zu merken, dass unsere Ansichten und Taten nicht immer die einzig richtigen sind. Die Zeit mit den Kindern zeigte uns, wie unbeschwert man Spaß haben kann, aber auch was Feingefühl und Geduld bedeuten. Wir durften Südafrika von allen Seiten kennenlernen, um festzustellen, wie wunderschön dieses Land ist, aber auch wie schwierig das Leben in einigen Regionen ist.

Für diese drei Monate bin ich unendlich dankbar und weiß, dass ich wiederkommen werde. Eines Tages. Hoffentlich ganz bald.